Zusammen auf*brechen
Das Organisationsteam, bestehend aus Personen und Gruppen, die sowohl katholisch als auch evangelisch sind, hat für den queeren Kreuzweg rund zehn Menschen im Vorfeld interviewt. Deren Geschichten erzählen von Kreuz und Auferstehung: Ausgrenzung, Coming-out, Selbstermächtigung und nicht zuletzt Liebe. Es sind berührende Biografien, die trotz Zweifel und Ringen um den Glauben kein Abwenden von Gott bedeuten. Die Akteur*innen verstehen das Zeigen dieser Geschichten als hoffnungsvolle und mutmachende Botschaften, gerade in einer Zeit, in der der Hass etwa gegen homosexuelle und transidente Menschen steigt.
Anson Samuel, Stadtjugendreferent der Diözese Linz, ist Leiter des Projekts: „Wir möchten einen Raum schaffen, in dem die Ganzheit der Person durch authentisches Storytelling sichtbar wird und zu liebevollen Begegnungen führt – mit einem gegenseitigen Ausstrecken der Hände.“ Er betont, dass es für marginalisierte Gruppen oft eine Doppelbelastung ist, von der Gesellschaft abgelehnt, letztendlich aber den entstandenen Schmerz zeigen bzw. rechtfertigen zu müssen.
Mit Samuel arbeiten verschiedene ehren- und hauptamtliche Mitarbeitende, darunter auch Geistliche, überkonfessionell zusammen. So ist auch die evangelische Pfarrerin Katharina Payk, Hochschulseelsorgerin in Wien, mit dabei, die seit über 20 Jahren im Bereich LGBTIQ engagiert ist. „Unsere Kirchen können durch Angebote für und von LGBTIQ-Menschen und deren Sichtbarmachung zeigen, dass sie bei rechtsgerichteter Hetze nicht mitmachen, sondern gerade jetzt für marginalisierte Menschen votieren.“
Unter dem Titel Wounds of Love fand 2024 zum ersten Mal ein queerer Kreuzweg in Wien und Linz statt. Basierend auf den Texten eines jungen, schwulen italienischen Autors entwickelten die Initiator*innen einen berührenden Gottesdienst, von dem sich viele der Mitfeiernden tief beeindruckt zeigten.
„Auch diesmal stehen die persönlichen Erfahrungen von Menschen im Zentrum, die aufgrund ihrer Geschlechtsidentität oder sexuellen Orientierung Ausgrenzung, Ablehnung und Verletzungen erfahren mussten. Ihre Erzählungen bilden die Basis dieses Abends“, erklärt Pfarrer Gregor Jansen vom Leitungsteam der römisch-katholischen Regenbogenpastoral Österreich.
Das heurige Konzept, das eine Mischung aus Event und Gebet ist, wird multimedial präsentiert und hat seinen Auftakt am Abend des 25. März in der Wiener Votivkirche. Weitere Veranstaltungen folgen. Das Herzstück der Veranstaltung sind die kuratierten Kurzvideos. Der Abend wird eine Mischung aus Kunst, Musik und Storytelling sein. Die Präsentation der Videos wird durch eine Reflexion oder Aktion im physischen (Kirchen-)Raum begleitet bzw. unterbrochen. Dazu gibt es geistliche Impulse wie Gebet, Meditation und Segen.
Das gesamte Konzept von Zusammen auf*brechen sowie die einzelnen gekürzten Interviews werden auch anderen queeren Projekten in den beteiligten Kirchen zur Verfügung gestellt.
Der Kreuzweg ist eine Initiative des Teams Jugend und junge Erwachsene | Katholische Jugend OÖ der Diözese Linz und wurde von einem engagierten Team aus verschiedenen kirchlichen Gruppen und Gemeinden vorbereitet. Folgende Einrichtungen der Diözese Linz, Diözese Graz-Seckau, Erzdiözese Wien sowie der Evangelischen Diözese Wien unterstützen diesen Kreuzweg: Teams Jugend und junge Erwachsene | Katholische Jugend OÖ, Junge Kirche Wien, Fachstelle begegnung.LEBEN, BEZIEHUNGLEBEN, Regenbogenpastoral Österreich, Güner Anker, Katholische Hochschuljugend Wien, Evangelische Hochschulgemeinde, EvanQueer - queere Menschen in den evangelischen Kirchen in Österreich, Verein Queer Glauben, Evangelische Kirche Graz .