Was sind Sakramente?

Wer erfahren möchte, dass die Sonne wärmt, muss sich in die Sonne stellen. Das haben wir alle schon erlebt und wohl auch genossen. Als körperliche Wesen begreifen wir (im wahrsten Sinne des Wortes) unsere Welt insbesondere über unsere Sinne.
Auch unser Glaube ist keine reine Kopfsache oder nur das Produkt unseres Denkens. Die Bibel berichtet uns an vielen Stellen davon, wie Menschen Gott erfahren, erlebt und gespürt haben oder in sinnlich wahrnehmbaren Zeichen begegnet sind. Unser Glaube lässt sich deshalb auch nicht auf reine Innerlichkeit reduzieren. Vielmehr betrifft er unser ganzes Menschsein. Dass Glaube ein leibhaftiges Geschehen ist, beschreibt auch Psalm 34, wo es heißt: „Schmeckt und seht, wie gütig der Herr ist.“ (Ps 34,1)
In besonderer Weise ereignet sich dieses leibhaftige Erleben des Glaubens in den Sakramenten der Kirche. Sie sind symbolische Handlungen, in denen in Zeichen das erlösende Wirken Gottes für uns Menschen zum Ausdruck kommt. In den Sakramenten zeigt Gott uns in konkreten Situationen des menschlichen Lebens seine Liebe, durch die wir heil, „heilig“ werden. Papst Franziskus hat deshalb die Sakramente als „Manifestation der Zärtlichkeit und Liebe Gottes zu jedem und jeder von uns“ (Papst Franziskus, @PONTIFEX auf Twitter 20.02.2015.) bezeichnet.
Weil uns die Sakramente der christlichen Kirchen die Liebe Gottes in Zeichen sichtbar und erfahrbar machen, ist Jesus Christus als Mensch gewordener Sohn Gottes das Sakrament schlechthin. Er hat die Liebe Gottes ganz und gar gelebt und gezeigt. Er wird deshalb auch als das Ursakrament bezeichnet.
Weil Kirche sich selbst als sichtbares Zeichen der bleibenden Gegenwart Jesu unter den Menschen und als Symbol der Einheit der Menschen mit Gott und untereinander versteht, ist auch sie von sakramentalem Charakter.
Der Apostel Paulus nennt die Kirche sogar den „Leib Christi“ (vgl. 1 Kor 12,27). Durch sie bleibt Jesus Christus in unserer Welt „hörbar“, „sichtbar“, „greifbar“. Besonders in den Sakramenten, die die Kirche im Auftrag Jesu feiern und gestalten, wirkt er selbst durch den Heiligen Geist als Retter, Freund, Gastgeber, Arzt, Befähiger und Wegbegleiter.
Die sieben Sakramente, die wir in der katholischen Kirche kennen, wurden nach jahrhundertelangen theologischen Diskussionen und Überlegungen auf dem Konzil von Trient (16. Jhdt.) endgültig festgelegt:
- Taufe, Firmung und Eucharistie als die Sakramente der Eingliederung (Initiation) in das christliche Leben.
- Krankensalbung und Buße (Versöhnung) als die Sakramente der Heilung.
- Die Weihe zum geistlichen Amt und die Ehe als Sakramente im Dienst an der Gemeinschaft.
Mit der Taufe im Wasser beginnt ein neues Leben in Jesus Christus in der Glaubensgemeinschaft der Kirche. Sie wird nur einmal empfangen und ist die Grundlage für ein christliches Leben aus der Beziehung mit Jesus Christus.
Die Firmung besiegelt (bekräftigt) unseren bisherigen Glaubensweg. Im Zeichen der Salbung mit Chrisamöl und der Handauflegung werden wir durch den Heiligen Geist bestärkt und ermutigt, das eigene Leben in die Hand zu nehmen, zu den eigenen Werten und Überzeugungen zu stehen und sich verantwortungsvoll für Gesellschaft und Kirche einzusetzen.
In der Eucharistie feiern wir den Tod und die Auferstehung Jesu Christi. Jesu selbst schenkt sich uns in Brot und Wein. So werden wir für das alltägliche Leben als Christ*innen gestärkt.
Auch wenn uns grundsätzlich das Gute wichtig ist, gelingt es uns nicht immer. Ja, mitunter tun wir auch bewusst Böses. Das sind Sünden. Mit dem Sakrament der Buße wird unsere Verbundenheit mit Gott, mit uns selbst, mit den Mitmenschen, mit der Kirche und der ganzen Schöpfung erneuert, indem uns der Priester die Hände aufgelegt und die Vergebung der Sünden zuspricht.
In Krankheit und im Alter wird uns unsere Endlichkeit besonders bewusst. Im Sakrament der Krankensalbung salbt uns der Priester mit dem Krankenöl Stirn und Hände und betet um den Beistand Gottes in dieser existentiellen Notsituation.
Durch das Weihesakrament werden Männer in den Stand des Diakons, des Priesters und des Bischofs aufgenommen. Mit der Handauflegung und dem Weihegebet werden die Kandidaten in den Dienst am Volk Gottes genommen. Ihre Aufgabe ist es, für die Gläubigen und die Kirche da zu sein, in dem sie das Wort Gottes verkündigen, Leitungsaufgaben übernehmen oder Sakramente spenden.
In der ehelichen Gemeinschaft von Mann und Frau wird die erlösende Liebe Christi und die Treue Gottes zu uns Menschen sichtbar. Bei der Trauung sagen die Eheleute „Ja“ zueinander und versprechen sich lebenslange Treue. Das Sakrament der Ehe ist deshalb nicht auf den Zeitpunkt der Hochzeit beschränkt, sondern wird Tag für Tag neu von den Eheleuten eingelöst.
In den Sakramenten feiern wir entscheidende Situationen und elementare Dimensionen unseres Lebens im Angesicht Gottes. Was sich im Alltag des Glaubens oft nur unbewusst vollzieht, das wird in den Sakramenten der Kirche ausdrücklich ins Wort und in sichtbare Zeichen einer Feier gebracht, um dann wiederum zurückzuwirken auf das alltägliche Leben des Glaubens. In der Feier der Sakramente vergewissern wir uns ausdrücklich der Gegenwart Gottes, um gestärkt und im Bewusstsein, Gott an der Seite zu haben, den Lebensweg weiterzugehen.
Text von
Mag. Michael Münzner
Regens Priesterseminar Linz
Februar 2022